Axel und Morten von der noch jungen Band MNÆ standen uns für ein Interview zur Verfügung.
Wie würdet ihr MNÆ jemandem beschreiben, der euch noch nie gehört hat?
Axel: MNÆ steht für eine Mischung aus Synthpop, Dark Wave und EBM-Elementen.
Druckvolle elektronische Beats bilden das Kernelement. Wir kombinieren sie mit melancholischen, aber eingängigen Melodien. Das Projekt ist stark gesangsorientiert und zeichnet sich durch inhaltlich relevante Texte und ausdrucksstarke Stimmen aus.
Wie habt ihr als Band zusammengefunden?
Morten: Das Ganze ist aus dem Wunsch entstanden, Grenzen auszuloten und noch ein weiteres Projekt zu starten. Axel und ich hatten ja im August ‘25 eine Collab für Audiocall mit einem großartigen Arbeitsflow. Da kam dann schnell die Idee, daraus ein Projekt zu machen, ohne genau zu wissen, wohin die Reise eigentlich hingehen sollte.
Im Januar stieß dann Jan alias “EvvilKing” dazu und es entwickelte sich plötzlich eine unglaubliche Dynamik und MNÆ nahm richtig Fahrt auf…Es sprudelte nur so an Ideen, Linien, Snippets, Tracks…und auch an leidenschaftlichen Diskussionen über Details in unserem Band Chat mit bis zu 30/40 Nachrichten täglich…
Von Januar bis jetzt haben wir ein beachtliches Arbeitspensum an den Tag gelegt…mit nem kleinen Live-Set und 2 Videos. Das Dritte ist bereits in Produktion. Und so, wie wir die Tracks produzieren, hauen wir die Stücke eben auch raus und haben zur Zeit eine Release Frequenz von 1 ½ Monaten. Ich bin gespannt, wo uns die Reise noch hinbringen wird. Es ist halt so, dass wir 3 dafür richtig brennen!
Über die Aussprache gab es natürlich ebenfalls einen seitenlangen Austausch. Du ahnst es schon, wir überlassen nichts dem Zufall
Axel: „Die Arbeitsweisen unterscheiden sich grundlegend von denen von Audiocall. Das gemeinsame Arbeiten an Tracks und der zugehörigen Demokratiebildung kenne ich bereits von Steril. Bei Audiocall bin ich für die musikalischen Prozesse eigenverantwortlich und der Liveauftritt hat einen „bandorientierten“ Fokus.
Durch das gleichberechtigte Songwriting und die Produktion entsteht bei MNÆ mehr Dynamik und die Prozesse sind schneller, da immer irgendwo weitergearbeitet wird.
Die sehr umfangreiche Kommunikation ist bereichernd und motivierend, aber auch sehr zeitintensiv. Für mich ist es vor allem spannend, die Dynamik, die ich bei anderen Projekten mit Gitarre und Bass verwende, hier elektronisch umzusetzen.
Jan als Produzent und bekannter Remixer “EvilKing” zaubert an dieser Stelle regelmäßig!
Was bedeutet euer Bandname für euch – und wie ist er entstanden und vor allem wie spricht man das aus?
Der Name hängt mit unserer Entstehung zusammen. Das Ganze begann ja mit Axel und mir und da wir noch nicht genau wussten, in welche Richtung wir uns stilistisch entwickeln wollten, wählten wir zunächst einen möglichst schlichten Namen, ohne tiefschürfende Bedeutung, Meta und Pathos. Und so kam es zunächst zu MNA, Morten ‘n Axel… Also einfach unsere Anfangsbuchstaben. Gleichzeitig sollte der Schriftzug auch als Logo funktionieren. Als dann Jan…also EvvilKing dazu kam, musste da natürlich noch ein E rein. Und um die
grafische Wirkung zu erhalten, kam dabei das Æ heraus😁. Über die Aussprache gab es natürlich ebenfalls einen seitenlangen Austausch. Du ahnst es schon, wir überlassen nichts dem Zufall. Ausgesprochen wird es als englische Abkürzung: MNA [ˈeːmˈeːnˈeɪ̯].
Welche drei Begriffe passen am besten zu eurer Musik und eurer Haltung als Band?
Morten: Druckvoll, elektronisch, melodiebetont und leidenschaftlich…okay, das waren 4, egal…
Welche musikalischen Einflüsse hört man bei euch vielleicht nicht sofort, die euch aber trotzdem geprägt haben?
Morten: Schwer zu sagen, weil wir 3 ja schon seit den 80ern Musik machen und die ganzen eigenen Erfahrungen und Einflüsse aus 4 Jahrzehnten bewusst und auch unbewusst einbringen. Ich komme ursprünglich aus dem Punk und Postpunk, bin aber gleichzeitig ein
großer Soundtrack- und Klassikhörer, Leonard Cohen Fan. Was davon einfließt, kann ich gar nicht genau sagen. Ich liebe Radiohead und Bowie und NIN und bin mit Swans, Bauhaus und Joy Division aufgewachsen…was das alles bei großer Unterschiedlichkeit gemeinsam
hat, ist vor allem eine bestimmte Haltung, mit der man Gedanken zu Musik macht, Ideen materialisiert…Ob man das musikalisch in unserer Musik irgendwo entdecken kann, muss jeder selbst entscheiden.
Jeder Mensch hört ja auch durch den Filter seiner eigenen Erfahrungen und Vorlieben … So verstehe ich auch Musik und Texte. Einige sehen z.B. in unserer aktuellen Single The Lion eine Art “Mutmacher”, als Individuum, sich nicht kleinmachen zu lassen. Für mich ist der Song eher politischer Natur, eine Hommage an all diejenigen, die unbeugsam bleiben, Haltung zeigen und gegen Unterdrückung und Ausbeutung aufstehen. Aber das ist ja gerade das Schöne am Musikhören. Man macht es erst durch die eigenen Erfahrungen zu seinem persönlichen Stück. Und kein Bild oder Gefühl, das man beim Hören hat , kann falsch sein…
Wie entsteht bei euch ein Song: beginnt er eher mit einem Klang, einer Textidee, einem Gefühl oder einer gemeinsamen Jam-Session?
Morten: Aufgrund unserer räumlichen Entfernung zueinander, arbeiten wir nur online. Daher entstehen die Sachen auch nicht in Sessions. Vielleicht ändern wir das mal und schließen uns irgendwo auf ner Insel ein und produzieren dort…wer weiß.
Jan: Meistens kommt einer von uns dreien mit einer Trackskizze, die wir vorspielen und dann entscheiden, ob der Track Potenzial hat. Erst dann wird er musikalisch weiterentwickelt. In der Regel sind hier schon Gesangsskizzen und die grobe Thematik der Texte enthalten. Wenn der grobe Aufbau und die Instrumentierung stehen, erstellen wir STEMS, da wir mit verschiedenen DAWs (Cubase/Studio One/Ableton Live) arbeiten. Wir alle schreiben je nach Song die Lyrics und Morten singt die Vocalspuren ein.
Im Anschluss wird der Track ausproduziert, gemischt und gemastert. Da wir uns auf einen Track zu einer bestimmten Zeit konzentrieren, sind wir stark fokussiert. Wenn wir nicht weiterkommen, legen wir den Track erst einmal zur Seite, um später mit einem neuen Blick darauf zu schauen. Wir verzichten bei den Lyrics bewusst auf ausgetretene Szene-Klischees und plakative Phrasen, um stattdessen präzisere, assoziative Bilder zu schaffen.
Wie trefft ihr kreative Entscheidungen innerhalb der Band?
Morten: Einstimmig…..nach zum Teil längeren Diskussionen.
Wie erlebt ihr die aktuelle Musikszene, in der ihr euch bewegt?
Morten: Für uns ist die Szene auch unser Revier und unsere Echokammer. Das hat sich natürlich über unsere anderen Projekte entwickelt. Aber eine Szene ist ja mehr als nur Musik. Das hat etwas mit der Lebenseinstellung jedes Einzelnen zu tun, der sich einer Szene zugehörig fühlt. Die Musik ist da der Soundtrack, aber auch in ihrer Vielfalt für eine Szene identifikationsstiftend…
Und ja, es gibt immer Stimmen, die meinen, dass die “Szene” mit steigendem Altersdurchschnitt am Aussterben ist und nicht mehr so wie früher, usw.…Nun, eine Szene verändert sich.
Die dunkle Szene der 80er war auch ne andere. Dieser Wandel ist aber doch natürlich. Und nein… Ich glaube nicht, dass die Szene stirbt, solange es eine gesellschaftl. Relevanz gibt. Und ein Lebensgefühl wird immer eine Relevanz haben und als Nische und persönliche Projektionsfläche neben einer Mainstream-Kultur existieren und sich reiben, abgrenzen und gleichzeitig in Teilen verschmelzen.
Die Szene wird sich wandeln, sich verkleinern, sich vermischen und wieder wachsen und wieder eine andere sein als heute.
Woran arbeitet ihr gerade, und worauf dürfen sich Hörerinnen und Hörer als Nächstes freuen?
Morten: Zurzeit bereiten wir unseren nächsten Release vor. D.h., Mastering, Videoschnitt…
Ganz allgemein arbeiten wir währenddessen auch weiterhin an neuen Songs, Booking, etc…
Irgendwann ist natürlich auch ein EP/Album angedacht…
Axel: „Die letzten Wochen waren von der Arbeit an unserer aktuellen Single ‚The Lion‘ und dem Club-Remix von ‚Hold the Tide‘ sowie dem dazugehörigen Videoshooting geprägt. In diesem Video sind wir das erste Mal selbst zu sehen.
Wir wollen nicht so sehr im visuellen Fokus stehen, da wir uns mehr als Künstlerkollektiv sehen und unsere musikalischen und visuellen Vorstellungen transportieren wollen.
Vielen Dank für eure Zeit, das letzte Wort gehört euch.
Morten: Danke für euer Interesse an MNÆ!
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